Das Geheimnis der Süße: Edle Fäulnis und klirrende Kälte
Die Weine aus dem Hause Kracher sind natürliche Süßweine. Ihre Süße und Aromenvielfalt verdanken sie nicht der Kellertechnik, sondern ausschließlich der natürlichen Konzentration von Extraktstoffen in den Trauben. Eine solche Konzentration kann auf zwei Wegen entstehen: durch Edelfäule oder durch Frost.
Süßweine mit Edelfäule
Weine mit den Bezeichnungen „Auslese“, „Beerenauslese“ und „Trockenbeerenauslese“ stammen (so gut wie immer) aus Trauben, die mit dem Schimmelpilz "Botrytis cinerea" befallen sind. Dieser Pilz entzieht den Beeren Wasser, sie schrumpfen rosinenartig ein, wobei Zucker, Säure und Aromastoffe konzentriert werden. Bei der Vergärung bleibt auf natürliche Weise ein Rest an unvergorenem Zucker zurück, der durchaus 130 Gramm pro Liter oder noch mehr betragen kann. Zugleich steuert die Botrytis eigene Aromakomponenten bei, die im fertig ausgebauten Wein an geröstetes Brot oder Panettone erinnern können.
Für die Arbeit mit Botrytis braucht es viel Fingerspitzengefühl. Edelfaule Trauben müssen im idealen Moment geerntet werden, wenn die Beeren bereits deutlich geschrumpft sind, aber bevor sie zu hohe Werte an volatiler Säure entwickeln. Das erfordert strenge Selektion am Rebstock – daher rührt der Begriff "Auslese". Gerhard Kracher geht bis zu acht Mal pro Ernte durch die Weingärten, um für jede Traube den richtigen Zeitpunkt zu erwischen.
Eisweine
Für Eiswein müssen die Trauben bei der Ernte gefroren sein und noch im gefrorenen Zustand gepresst werden. Der Frost entfaltet auf ganz andere Weise dieselbe Wirkung wie die Edelfäule: Wasser wird den Beeren entzogen, indem es kristallisiert, der Most wird so auf natürliche Weise konzentriert. Eisweine zeigen meist keine Botrytistöne, ihre Frucht ist klarer, geradliniger, frischer, aber auch weniger komplex als die der edelfaulen Geschwister.
Gerhard Kracher baut seine Süßweine in zwei Stilrichtungen aus:
"Zwischen den Seen"
Der Name ist im weiteren Sinn eine Lagenbezeichnung. Die Reben dieser Weine wachsen zwischen den größeren und kleineren Gewässern des Seewinkels. Der Stil folgt der klassisch-burgenländischen Tradition und interpretiert sie neu. Die Weine werden im Stahltank oder im großen Holzfass ausgebaut und bleiben lange im Kontakt mit der Hefe. Ziel ist es, Frische, Frucht und primäre Traubenaromatik in die Flasche zu bringen.
"Nouvelle Vague"
Der Name ist Programm: Wie die gleichnamige Bewegung des französischen Films folgt auch die Stilistik dieser Weine dem Prinzip der Offenheit und der Synthese. In gewissem Sinne ist dieser Stil internationale, zugleich aber auch eigenständig, weil Ideen und Einflüsse aus vielen Weinbaugebieten zu einer neuen Einheit verschmolzen wurden.
Nouvelle-Vague-Weine werden im Barrique ausgebaut. Lebendigkeit des Geschmacks, Tiefe, Würze und Nachhaltigkeit sind ihre charakteristischen Merkmale.



